Views

Die besten Köpfe für den größten Müll

Folgt man der heutigen Energiedebatte drehen sich die meisten Diskussionen um die neuen Technologien. Erneuerbare Energien, Wind, Sonne, etc. Elon Musk ist der Super Hero, der mit genialen Ideen die Welt rettet. Und ‚sustainable brands’ sprießen wie Pilze aus dem Boden. Die Atomkonzerne kreieren Spin-Offs, um auch am neuen Markt teilzuhaben. Und verpassen ihnen nette Auftritte mit freundlichen Namen. Möglichst menschlich, möglichst poppig.  Im Wettbewerb um die hellsten Köpfe für die neuen Technologien treten sie gegen Google, Amazon und viele Start-Ups an.

Die Mutterkonzerne verharren in ihren technokratischen Auftritten und Namen. Hier reicht der Charme einer Abkürzung und ein visueller Auftritt, der vor allem eines kommuniziert: Nicht hinsehen. Das wird dann auch befolgt. Die Rekrutierung von neuen Mitarbeitern für die Atomindustrie ist kein Selbstläufer. Wer will sich schon mit dem beschäftigen, dass wir alle loswerden wollen? Mit dem beschäftigen, was möglichst bald Vergangenheit sein soll. Das ist nicht sexy und das hat auch keine Zukunft.

Genau hier müssen die Verantwortlichen umdenken. Es ist eine der größten Aufgaben, die auf die Menschheit zukommt; den strahlenden Müll vorbildlich zu bewältigen. Für Generationen sind wir darauf angewiesen, dass hier die besten Lösungen gefunden werden. Es ist der größte Müll, den die Menschheit je angehäuft hat. Das kann nur von den Besten gelöst werden.

Die intelligentesten jungen Talente wollen nicht für eine graue Maus arbeiten. Während ihre Kollegen bei Google auf Rutschbahnen von Stockwerk zu Stockwerk düsen und sich mit leckerem Essen am Gratisbuffet eindecken. Die Besten wollen die großen Aufgaben anpacken, dabei Freude haben und von anderen dabei bewundert werden. Muss man sich dafür verstecken?

Der Auftritt heutiger Energiekonzerne ist ein Schuldeingeständnis. Es ist Zeit, diese Haltung zu ändern.

Ok, es war eine etwas kurzfristige Sichtweise. Ok, wir haben verdammt gut daran verdient. Ok, wir sind weiterhin dafür verantwortlich. – Aber dürfen wir das bitte mit den besten Talenten angehen? Dürfen wir diesen Menschen das bestmögliche Umfeld bieten. Dürfen wir jene, die unsere Welt und die der nächsten tausend Generationen retten werden, feiern und ihnen einen Stolz vermitteln, der auch von der Bevölkerung getragen und verstanden wird.

Ein Umdenken muss her. Der größte Müll sollte nicht verschämt verbuddelt werden. Sondern von den intelligentesten Köpfen der Generation unter Applaus der Bevölkerung so umsichtig und clever wie nur möglich entsorgt werden.

Es gibt bereits gute Ansätze. In Frankreich nimmt EDF den Menschen mit Kunst in Atommeilern die Berührungsängste mit dem Thema. In der Schweiz und Deutschland machen sich die Holdings Gedanken über neue Wege der Markenkommunikation. Wer diese Aufgabe richtig anpackt, hat der Menschheit mindestens so gedient, wie der Erste, der auf den Mars fliegt.

Der größte Müll braucht die größten Talente. Eine kommunikative Aufgabe für die Markenverantwortlichen.

Autoren

Chief Creative Officer, Central & Eastern Europe, Zurich