Bitcoins & Breakthroughs – Die Finanzwelt im Wandel

Oktober 2008: die Finanzkrise hat die globale Wirtschaft erschüttert und Menschen demonstrieren in den Finanzzentren in der ganzen Welt gegen das bestehende Bankensystem. Zur gleichen Zeit veröffentlicht ein anonymer Autor oder eine Gruppe von Autoren mit dem Namen Satoshi Nakamoto eine Arbeit über eine unabhängige Form der Kryptowährung, die sich Bitcoin nennt.

Schon wenige Monate später werden die ersten Bitcoins in Umlauf gebracht und über eine Technologie namens Blockchain gehandelt. Eine dezentrale Datenbank, die mittels eines Peer-2-Peer Netzwerks funktioniert, klingt zunächst nach Tech-Jargon für eine limitierte Zielgruppe, ist jedoch der Beginn einer Revolution – der erste große Durchbruch in der Finanzbranche, deren volles Potenzial erst noch erschlossen wird.

Als eine Industrie, die stark von Behörden reguliert und von hohen Sicherheitsmaßnahmen und Schutz der Privatsphäre abhängig ist, haben Finanzinstitute sich schon immer nur sehr langsam an Innovationen herangewagt. Digitale Disruptionen haben verhältnismäßig lange auf sich warten lassen.

Spulen wir nun die Zeit ein paar Jahre vor. Sinkendes Vertrauen in traditionelle Machthalter, mangelnde Transparenz und hoher Zeitaufwand, sowie kostspielige Probleme mit veralteten Plattformen haben den unternehmerischen Antrieb für Startups entfacht. Der kontinuierliche Ausbau einer digitalen Infrastruktur, Fortschritte in künstlicher Intelligenz und Cloud Computing, sowie die rasante Verbreitung von Smartphones ermöglichten eine rasche Entwicklung von technologiebasierten Finanzprodukten und –dienstleistungen. Obwohl dies in den unterschiedlichsten Märkten und Teilen der Erde stattfindet, so haben die meisten Marken doch eins gemeinsam. Sie verfolgen alle ein übergeordnetes Ziel: Barrieren aus dem Weg zu räumen und allen Menschen den Zugang zur Finanzwelt zu ermöglichen.

Nehmen wir als Beispiel die diesjährige Breakthrough Brand Robinhood. Wie der Name bereits andeutet, ist Robinhood ein Held der Demokratisierung von Investments, indem sie teure Mittelsmänner ersetzen und ihre Kunden in Echtzeit mit Marktinformationen versorgen, frei von Kommission, direkt auf das Smartphone. Das Startup Square aus San Francisco machte sich zur Mission, Handel einfach und für jeden möglich zu machen. In den letzten Jahren entwickelten sie innovative Lösungen für den Point-of-Sale, die Shop-Besitzern und Händlern dabei helfen, ihr Unternehmen effizient zu managen und das Leben der Kunden leichter zu machen. Ripio, das 2014 in Argentinien gegründet wurde, ist ein weiteres gutes Beispiel für finanzielle Inklusion. Verschiedene Regionen Lateinamerikas leiden unter instabilen Währungen. Ripio ermöglicht Menschen dort, ihre Landeswährungen in Bitcoins zu investieren und via Blockchain zu handeln. Mit dem Produkt Ripio Credit erweitert die Marke ihr Angebot auf Menschen mit einem niedrigen Einkommen. Mit dem P2P Payment System benötigen die Kunden kein traditionelles Bankkonto oder eine Kreditkarte, um ihre Finanzen online zu verwalten.

Das Potenzial ist besonders für Entwicklungsländer und Schwellenmärkte riesig: von lokalen Unternehmen und Nachbarschaftsläden bis hin zur Bevölkerung in ländlichen Gebieten ohne Geldautomaten oder Bankfilialen. Laut einer kürzlich veröffentlichten Pwc Studie sind noch immer 42% der erwachsenen Bevölkerung weltweit nicht in das Finanzsystem eingebunden, wodurch ein enormes Wachstumspotenzial für FinTechs besteht, die in diese Bereiche vorstoßen.

Banken haben hart daran gearbeitet, das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen. Bedeuten diese Veränderungen in der Branche durch FinTechs und Breakthrough Brands nun, dass traditionelle Banken eines Tages überflüssig werden? Können sie sich weiterhin behaupten, in einer Zeit, in der die Messlatte der Customer Experience von den Amazons und Ubers dieser Welt gesetzt werden? Es ist definitiv ein Weckruf, doch birgt dieser auch große Chancen. Partnerschaften mit Startups einzugehen und das eigene Geschäftsmodell strategisch zu hinterfragen und neuzudenken sind bereits vielversprechende Schritte in die Zukunft. Auch wenn künstliche Intelligenz und Algorithmen die besseren Datenverwalter sein werden, wird menschliches Urteilsvermögen und persönliche Interaktion und Beratung immer eine entscheidende Rolle in finanziellen Transaktionen spielen und für das Vertrauen jenseits von Programmiersprachen sorgen.